Dr. Marie Isabel Held

Arzt

Eine Kindheitserfahrung wurde zur Inspiration
Ihre Dentalpraxis - Dr. Marie Isabel Held aus Willich



LUXXter Nummer zwei – Dr. Marie Isabel Held


Für den zweiten LUXX Award in diesem Jahr hat die LUXX-Jury Dr. Marie Isabel Held aus Willich ausgewählt. Sie weiß aus eigener Erfahrung sehr genau, wie wichtig zahnärztliches Einfühlungsvermögen bei der Behandlung von Angstpatienten ist. Und so hat sie ihr Talent für die eigene berufliche Zukunft genutzt.
Wenn Marie Isabel Held das Behandlungszimmer ihrer Praxis betritt, dann fühlt sie sich hin und wieder in die eigene Kindheit zurückversetzt – und zwar vor allem dann, wenn dort gerade ein Angstpatient Platz genommen hat: „Ich bin bis zu meinem achten Lebensjahr selbst immer voller Furcht zum Zahnarzt gegangen und habe dort nie richtig den Mund aufbekommen“, erinnert sich die 35-Jährige lächelnd. „Das änderte sich erst, als ich eines Tages eine Zahnspange brauchte. Die Kieferorthopädin, die mich damals behandelte, war sehr einfühlsam. Dadurch war ich plötzlich bereit, mich zum ersten Mal von einem Zahnarzt richtig behandeln zu lassen. Seitdem weiß ich, wie wichtig zahnärztliches Einfühlungsvermögen ist.“

Im Anschluss an das Examen an der RWTH Aachen im Jahr 2007 und den Master of Science Orale Chirurgie/Implantologie an der Danube University in Krems konnte Held ihre Kindheitserfahrungen schließlich auch in die tägliche Arbeit einbringen. So wurde sie bereits während ihrer Assistenzzeit immer häufiger mit Angstpatienten konfrontiert – und meisterte die Herausforderung jeweils dadurch, dass sie sich „ausreichend Zeit und Geduld für jeden einzelnen Patienten“ nahm. Irgendwann sei in ihr schließlich der Gedanke gereift, das eigene Talent im Umgang mit besonders ängstlichen Patienten als Inspiration für die persönliche berufliche Zukunft zu nutzen. „Dass ich mich eines Tages selbstständig machen würde, stand für mich schon seit Beginn des Studiums ohnehin außer Frage.“


Im Spiegel – der Empfang als Dreh- und Angelpunkt der Praxis


Im Sommer 2012 war es dann endlich so weit: Held kündigte ihren Job als angestellte Zahnärztin und machte sich daran, den Traum von der Selbstständigkeit in die Tat umzusetzen. Die passenden Praxisräume hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits gefunden: In Willich, einer 50.000-Einwohner-Stadt im Dreieck Krefeld – Düsseldorf – Mönchengladbach, bereitete ein Zahnarztehepaar gerade seinen Abschied in den Ruhestand vor. „Willich verfügte schon damals über ein großes Neukunden-Potenzial“, hatte Held zuvor bereits durch ihre Nachforschungen in Erfahrung gebracht, „denn hier hin zieht es vor allem junge Familien mit Kindern.“

Dennoch sei sie seinerzeit durchaus froh darüber gewesen, zum Start der eigenen Praxis auf einen bereits vorhandenen Patientenstamm zurückgreifen zu können: „Ich bin eher ungeduldig veranlagt. Und so hätte ich nur ungern darauf warten wollen, bis endlich die ersten Patienten vorbeischauen.“


Die Behandlungsräume sind hell und freundlich


Allerdings musste die Zahnärztin im Zuge der Übernahme von den Vorgängern auch eine „ästhetische Hypothek“ mit in Kauf nehmen: „Die Praxis war im ziemlich düsteren Stil der 80er- und 90er-Jahre eingerichtet und bis dahin komplett analog betrieben worden. Das bedeutete unter anderem, dass sämtliche Patientendaten auf Karteikarten erfasst waren. Da war also einiges zu tun!“

Vom 1. bis zum 31. Juli 2017 wird der LUXX des Jahres in einem Online-Voting hier auf www.luxxaward.de gewählt.
Freunde, Bekannte, Patienten und Kollegen
können dann für „ihren“ LUXXter voten.


Wer heute die helle, topmoderne Praxis sieht, kann sich kaum vorstellen, dass die Umgestaltung vor viereinhalb Jahren insgesamt nur neun Tage gedauert haben soll – vor allem dann, wenn die aktuelle Inhaberin auflistet, was in dem betreffenden Zeitraum alles gemacht wurde: „Im Grunde haben wir einen Rohbau komplett mit neuen Sanitäranlagen, Fußböden und Wandverkleidungen versehen und unter anderem mit EDV und digitaler Röntgenstation ausstatten lassen.“ Die dafür nötigen Handwerker habe sie alle persönlich ausgewählt und koordiniert, sagt Held: „Das mag im Nachhinein vielleicht etwas blauäugig erscheinen. Letztlich hat aber alles gut geklappt – auch wenn damals die eine oder andere Nachtschicht angesagt war.“ Denn neben dem Einfühlungsvermögen schlummere in ihr noch ein zweites Talent, schmunzelt sie: „Organisationstalent“.


Das Team für Ihre Zähne …


Dass in den Willicher Praxisräumen fortan ein neuer Wind wehen würde, war nach der Übernahme aber nicht nur optisch auf Anhieb klar. Auch das dentale und mentale Selbstverständnis, das die junge Zahnärztin zum Start in die Selbstständigkeit mitbrachte, war für viele zunächst gewöhnungsbedürftig – allen voran für die eigenen Teammitglieder, die die neue Chefin seinerzeit alle mit übernommen hatte: „Prophylaxe war bei meinen Vorgängern überhaupt kein Thema “, erklärt Held. „Bei mir dagegen gehört sie seit jeher zu den Grundpfeilern der täglichen Arbeit und Ausbildung. Diese Philosophie in die Köpfe der Mitarbeiterinnen zu bekommen und das Team von der reinen Reparatur-Zahnmedizin Abschied nehmen zu lassen, war nicht ganz so einfach.“

Gelungen sei dies durch mehrere, intensive Inhouse-Team-Coachings, die gleich zum Neustart stattgefunden haben, erklärt die Zahnärztin. So habe eine externe Fachkraft ausführlich die Bedeutung und Funktionsweise der Prophylaxe erläutert und eine ihrer Mitarbeiterinnen zusätzlich eine Fortbildung zur Prophylaxeassistentin absolviert. „Sie ist bei uns bis heute ausschließlich für dieses Thema zuständig“, freut sich Held. Eine zweite Kollegin lasse sich derzeit ebenfalls zur ZMP qualifizieren.

Zudem gehöre es für das gesamte Team heute längst zur Routine, die Prophylaxe regelmäßig auch persönlich in Anspruch zu nehmen. „Indem wir alle die Praxisphilosophie nach außen vorleben, fällt es uns recht leicht, den Vorsorgeansatz auch an andere zu vermitteln“, sagt Held. „Nach anfänglicher Skepsis haben auch die Patienten inzwischen längst erkannt, dass die Prophylaxe keineswegs nur dazu dient, die Einkünfte des Zahnarztes zu erhöhen, sondern dass es ganz einfach gut für sie ist, wenn nicht ständig das Zahnfleisch beim Zähneputzen blutet, kein Mundgeruch mehr auftritt und auch ihre Mundgesundheit insgesamt stabiler ist.“


In der Ruhe liegt die Kraft – das Wartezimmer


Neben der Prophylaxe legen Held und ihr fünfköpfiges Team – vier zahnmedizinische Fachangestellte und eine Auszubildende – ein ganz besonderes Augenmerk auf die bereits erwähnte Gruppe der Angstpatienten. „Bei ihnen hat die zuvor übliche Reparatur- Zahnmedizin meiner Vorgänger vieles oft nur verschlimmbessert“, weiß die Zahnärztin. „Sie waren oft mit starken Schmerzen in ein überfülltes Wartezimmer gekommen, mussten dort dann meist stundelang warten und bekamen dann auch unter Umständen noch einen Zahn gezogen. Genau dieses klassische Szenario wollten wir vom Start weg komplett vermeiden.“

Wie es scheint, mit Erfolg. Denn inzwischen sorgt die genannte Klientel durch Mundpropaganda längst dafür, dass auch immer mehr neue Angstpatienten den Weg in die Willicher Praxis finden – Beleg dafür, dass es um das Einfühlungsvermögen der Zahnärztin wohl tatsächlich hervorragend bestellt ist. „Das gilt aber generell für das gesamte Team“, betont Held. „Dazu zählt aber auch, dass wir auch schon mal Händchen halten, wenn ein Patient plötzlich in Tränen ausbricht – völlig unabhängig davon, wie jung oder alt er ist.“


Sie sind uns willkommen … | Fotos: Held


Trotz des erheblichen Arbeitsaufwands, den ihre Neugründung mit sich brachte – „Ich bin ja seitdem nicht nur als Zahnärztin gefragt, sondern auch als Buchhalterin, Unternehmensberaterin und Chefin“ – hat Marie Isabel Held den Schritt in die Selbstständigkeit bis heute nicht bereut. Für potenzielle Neugründer hält sie in diesem Zusammenhang einen wichtigen Tipp parat: „Jeder sollte für sich unbedingt ein persönliches Praxiskonzept erarbeiten, mit dem er sich hundertprozentig identifizieren kann – und diesem auch dann treu bleiben, wenn die Geschäfte phasenweise einmal nicht ganz so gut laufen. Denn nur, wenn man Spaß an der eigenen Arbeit hat, hält man das Ganze auch auf die Dauer durch.“

Dass sie selbst und ihr Team das richtige Konzept für sich gefunden haben, wird immer wieder dann spürbar, wenn der ein oder andere Angstpatient der Zahnärztin gegenüber plötzlich ein persönliches Geständnis ablegt: „Wir bekommen nicht selten zu hören, dass manch einer inzwischen sogar richtig gerne zu uns in die Praxis kommt. Das ist für uns alle natürlich jedes Mal aufs Neue ein super Gefühl und zeigt, dass wir vieles offenbar wirklich richtig machen.“