Dr. Therese Nordmann & Dr. Torben Steinberg

Arzt

Privat ein Paar und auch beruflich –
Dr. Therese Nordmann & Dr. Torben Steinberg aus Bonn



Die LUXXter Dr. Therese Nordmann und Dr. Torben Steinberg

Der dritte LUXX Award geht 2017 an die Praxis Nordmann-Steinberg in Bonn. Dr. Therese Nordmann und Dr. Torben Steinberg haben in der Bonner Innenstadt eine Praxis übernommen. Ursprünglich war dies für einen deutlich späteren Zeitpunkt geplant. Wegen gesundheitlicher Probleme ihres Vorgängers musste der Wechsel dann Ende 2015 ziemlich plötzlich über die Bühne gehen.

Frau Dr. Nordmann, Herr Dr. Steinberg, Sie betreiben gemeinsam eine Praxis, Sie sind aber auch ein Paar: War zuerst die berufliche Beziehung da oder die private?
Therese Nordmann:
Die private. Denn kennengelernt haben wir uns schon während meiner ersten Studienwoche an der Uni Marburg. Torben hatte ein Semester vor mir angefangen und arbeitete zu dieser Zeit bereits als Tutor. Inzwischen sind wir seit acht Jahren ein Paar.

Wann war klar, dass Sie auch beruflich den Schritt in die Zweisamkeit wagen?
Torben Steinberg:
Wir wollten das schon immer. Nachdem ich das Studium im Mai 2012 abgeschlossen hatte, fand ich in Bonn eine attraktive Stelle als angestellterZahnarzt. Therese kam dann ein halbes Jahr später nach. Sie war es auch, die die Selbstständigkeit etwas später ins Rollen brachte …
Nordmann: … indem ich Ende 2014 nach meiner Assistenzzeit spontan in der Praxis unseres Vorgängers aufkreuzte, in der ich mich bereits zwei Jahre zuvor als Assistenzzahnärztin beworben hatte. Aber wegen damals fehlender Kapazitäten erhielt ich leider eine Absage. Weil wir uns schon beim ersten Treffen sehr sympathisch waren, schaute ich einfach mal wieder dort vorbei – und konnte zu meiner Freude ab Sommer 2015 als angestellte Zahnärztin anfangen.


Zimmer mit Aussicht …


Von einer Praxisübernahme war zu diesem Zeitpunkt also noch gar keine Rede?
Nordmann:
Doch. Das war bereits Bedingung bei meiner Anstellung, was uns erst mal ein wenig überrumpelt hat. Die Übernahme war jedoch zu einem deutlich späteren Zeitpunkt geplant. Wegen gesundheitlicher Beschwerden unseres Vorgängers ging der Wechsel dann aber recht plötzlich über die Bühne – nämlich schon Ende 2015.
Steinberg: Auch mein damaliger Chef, Dr. Horatiu Zieger, hat uns sehr ermutigt …

Inwiefern?
Steinberg:
Er sagte: „Macht das auf jeden Fall. Wenn Ihr die Praxis nicht übernehmt, dann mache ich es!“ Zieger war für mich schon immer Mentor, der mich fantastisch unterstützt hat. Von seiner Erfahrung und seinen beruflichen Netzwerken profitieren wir beide bis heute.

Abgesehen von der „Drohung“ Ihres damaligen Chefs – was war noch ausschlaggebend?
Steinberg:
Schon allein die zentrale Innenstadtlage der Praxis ist unschlagbar.
Nordmann: Außerdem hat man von den Behandlungszimmern aus eine sensationelle Aussicht auf das alte Rathaus und das Bonner Münster. Viele Mitbewerber hängen Flachbild-Fernseher an die Wände – wir bieten unseren Patienten bodentiefe Fenster.


Postkartenblick aus dem Behandlungsstuhl …

Die Aussicht alleine dürfte ja aber für Patienten kaum genügen. Was ist besonders an Ihrem Praxis-Konzept?
Nordmann:
Wir legen viel Wert auf eine komplett transparente Behandlung. Darum ist in jedem Behandlungszimmer eine intraorale Kamera installiert, mit der wir alle Behandlungsschritte festhalten und den Patienten Befunde anschaulich erklären können. So können aber auch wir selbst exakt nachverfolgen, was wir machen und wie wir im Einzelnen vorzugehen haben.

Vom 1. bis zum 31. Juli 2017 wird der LUXX des Jahres in einem Online-Voting hier auf www.luxxaward.de gewählt.
Freunde, Bekannte, Patienten und Kollegen
können dann für „ihren“ LUXXter voten.


Wie reagieren die Patienten auf dieses Angebot?
Steinberg:
Ältere Patienten, die wir vom Vorgänger übernommen haben, wollen die Fotos lieber nicht sehen (lacht). Die meisten sind aber fasziniert und sehr angetan. Denn über die Fotos verstehen sie, was wir genau mit ihren Zähnen vorhaben. Ohne so eine Unterstützung bleibt die Zahnbehandlung für Laien sehr abstrakt.
Nordmann: Viele Patienten sagen: „Jetzt verstehe ich endlich richtig, was Sie da überhaupt machen.“ Und auch aus unserem Team, das mit der intraoralen Kamera nicht ver-traut war, waren alle schon beim ersten Ausprobieren rundweg begeistert.


Orange hebt unweigerlich die Stimmung …


Sie bieten auch eine Schnarchtherapie an. Wie kam es dazu?
Steinberg:
Die Schnarchtherapie habe ich bei einer Fortbildung kennengelernt. Ich fand das Konzept so spannend, dass ich es unbedingt auch in unserer Praxis umsetzen wollte. So gehört es bei uns inzwischen zur Routine, die Patienten bei der Anamnese zu fragen, ob sie schnarchen. Trifft das zu, können wir meist mit einer maßangefertigten Schnarchschiene weiterhelfen. Dies erspart den Betroffenen oft den Gang zum HNO-Arzt, der im Zweifelsfall – ein deutlich weniger elegantes – Atmungsgerät verschreibt. Unsere Patienten freuen sich nicht nur über den gesparten Arztbesuch: Wer von uns eine Schnarchschiene bekommen hat, will sie nicht mehr missen – beziehungsweise sein Partner (lacht).

In Ihrer LUXX-Bewerbung nennen Sie „Persönlichkeit“ als eins Ihrer Aushängeschilder. Was meinen Sie damit?
Nordmann:
Schon bei unserem Vorgänger war die Atmosphäre in der Praxis von Herzlichkeit und Wärme geprägt – innerhalb des Teams, aber auch zwischen Angestellten und Patienten. Das wollten wir auf jeden Fall beibehalten. So sind wir stolz darauf, nicht nur die Zahnbefunde unserer Patienten zu kennen, sondern auch deren private Geschichten. Dabei kommt uns sicher zugute, dass Rheinländer von Natur aus offen sind. Bei uns ist jeder Einzelne deutlich mehr als nur eine Patientennummer.

Wenn der Umgang im Team stets herzlich ist – fällt es Ihnen dann auch schwerer, Anweisungen zu erteilen?
Nordmann:
Tatsächlich musste ich in die Rolle der Chefin erst hineinwachsen. Zu Beginn habe mich oft schwergetan damit, klare Anweisungen zu geben und auch die ein oder andere unliebsame Entscheidung zu treffen.
Steinberg: Wichtig ist, dass wir beide mit einer Stimme sprechen und nach außen klar kommunizieren.


Das komplette Praxisteam

Was war für Sie beide in der Rolle der Praxisinhaber noch ungewohnt?
Steinberg:
Dass man als Chef zunächst wegen jeder Kleinigkeit eine Entscheidung treffen muss – angefangen davon, wann die Wäsche gewaschen wird, bis hin zum Schreiben von Rechnungen. Irgendwann war uns klar, dass wir auf Dauer gar nicht alles selbst entscheiden können. Und so war es schön, dass das Team im Laufe der Zeit Verantwortung mit übernommen hat. Zu Beginn hatten wir drei Angestellte, inzwischen sind es sechs. So ist es möglich, viele Arbeiten zu delegieren, sodass Therese und mir deutlich mehr Zeit für unsere Kernkompetenz bleibt.

Wenn man beruflich und privat ein Paar ist – beherrscht die Praxis dann auch die Freizeit?
Nordmann:
Das ist in der Tat nicht ganz einfach. Wir nehmen die Arbeit oft mit nach Hause und diskutieren am Abendbrottisch weiter. Allerdings können wir als Paar auch immer entsprechend „gegensteuern“.
Steinberg: Inzwischen gelingt es uns, feste Freizeittermine einzuhalten, bei denen der Job komplett außen vor bleibt. Auch wenn die Arbeit nicht weniger wird: Nicht alles muss über Nacht erledigt werden.


Eigentlich immer für Sie da … | Fotos: Nordmann/Steinberg

Welchen Tipp geben Sie Kollegen, die mit einer Selbstständigkeit liebäugeln?
Nordmann:
Hört im Zweifelfall lieber auf das eigene Bauchgefühl, als euch blindlings externen „Fachleuten“ anzuvertrauen! Wir haben beim Praxisumbau manche Entscheidung aus der Hand gegeben, die wir aus heutiger Sicht doch besser selbst getroffen hätten – wie etwa beim Legen von Elektroleitungen oder Steckdosen.
Steinberg: Beim Start mögen externe Berater zunächst recht hilfreich erscheinen, weil man sich oft noch unsicher fühlt. Man macht sich so aber von diesen auch sehr abhängig und läuft Gefahr, auf Dauer komplett fremdgesteuert zu werden. Lieber selbst einmal mehr nachdenken und Dinge hinterfragen. So lernt man letztlich auch immer wieder dazu. Wir haben es jedenfalls bis heute nicht bereut, dass wir uns auf uns selbst verlassen haben.

Haben Sie den Sprung in die Selbstständigkeit schon einmal bereut?
Nordmann:
Nein. Denn die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, wie und mit wem wir arbeiten wollen, ist durch nichts zu ersetzen. Außerdem ist es ein tolles Gefühl, sich voll und ganz auf das Team verlassen zu können. Es macht ganz einfach Spaß, jeden Tag aufs Neue in die eigene Praxis zu kommen.